DLT Landkreisversammlung 2026

08. Juni 2026: Rund 400 Kommunalvertreter beraten über die Zukunft der Landkreise Landkreise fordern Kurswechsel und stärken ihre Stimme in Berlin
DLT Landkreisversammlung 2026

v.l.n.r.: Landräte Patrik Lauer, Sven Ambrosy, Dr. Achim Brötel, Thomas Karmasin und Götz Ulrich mit Hauptgeschäftsführer Dr. Kay Ruge

Zur Landkreisversammlung 2026 des Deutschen Landkreistages (DLT) kommen am 8./9. Juni rund 400 Landrätinnen und Landräte, Kreistagsmitglieder, Bundestagsabgeordnete sowie Vertreter aus Wirtschaft, Verbänden und Organisationen in Berlin zusammen. Unter dem Motto "Heimat gestalten. Zukunft sichern." stehen die großen Zukunftsfragen der kommunalen Ebene im Mittelpunkt.
Neben Bundeskanzler Friedrich Merz sprechen unter anderem Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil, Bundesgesundheitsministerin Nina Warken sowie Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer an beiden Tagen in Berlin.

Berliner Appell: Kommunen brauchen finanzielle Luft zum Atmen
Zum Auftakt der Versammlung verabschiedeten die 294 deutschen Landkreise den „Berliner Appell“. Darin fordern sie Bund und Länder auf, die kommunale Ebene nachhaltig zu stärken und ihre Handlungsfähigkeit zu sichern. Hintergrund ist die angespannte Finanzlage vieler Kommunen. Nach Angaben des Deutschen Landkreistages haben die kommunalen Haushalte das Jahr 2025 mit einem Rekorddefizit von rund 30 Milliarden Euro abgeschlossen. Investitionen in Schulen, Kitas, Straßen, Digitalisierung und den öffentlichen Nahverkehr geraten zunehmend unter Druck.
Die Landkreise fordern deshalb unter anderem eine vorübergehende Erhöhung des kommunalen Umsatzsteueranteils um zehn Prozentpunkte. Dies würde die kommunale Ebene kurzfristig finanziell stabilisieren.

"Wer bestellt, bezahlt" muss wieder gelten
Ein zentraler Punkt des Berliner Appells ist die konsequente Anwendung des Konnexitätsprinzips. Neue Aufgaben, höhere Standards oder zusätzliche Rechtsansprüche dürften nicht beschlossen werden, ohne die entstehenden Kosten vollständig zu finanzieren. Die Landkreise kritisieren, dass sie in vielen Bereichen als Ausfallbürgen für andere staatliche Systeme fungieren müssten. Dies betreffe unter anderem die Krankenhausfinanzierung, die Pflege sowie die steigenden Ausgaben in der Eingliederungshilfe.

Sozialstaat zukunftsfest gestalten
Die Landkreise bekennen sich ausdrücklich zu einem leistungsfähigen Sozialstaat. Gleichzeitig mahnen sie Reformen an, damit soziale Leistungen auch künftig finanzierbar bleiben.
Insbesondere die stark steigenden Ausgaben in der Eingliederungshilfe, der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Hilfe zur Pflege würden inzwischen wichtige Zukunftsinvestitionen verdrängen. Gefordert werden daher effizientere Strukturen, klarere Zuständigkeiten und eine stärkere Ausrichtung der Leistungen auf diejenigen Menschen, die Unterstützung tatsächlich benötigen.

Bürokratieabbau als Schlüssel für mehr Leistungsfähigkeit
Breiten Raum nimmt auf der Landkreisversammlung auch das Thema Bürokratieabbau ein. Die Landkreise sehen erhebliche Potenziale in einfacheren Verfahren, digitalisierten Genehmigungsprozessen und dem Abbau überflüssiger Dokumentationspflichten. Ziel sei es, Personal und finanzielle Ressourcen wieder stärker für die eigentlichen Aufgaben der Verwaltung einsetzen zu können. Gerade angesichts des Fachkräftemangels müsse staatliches Handeln einfacher, schneller und effizienter werden.

Achim Brötel als Präsident des Deutschen Landkreistages bestätigt
Im Rahmen der internen Mitgliederversammlung wurde Dr. Achim Brötel, Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, einstimmig als Präsident des Deutschen Landkreistages wiedergewählt. Seine neue Amtszeit läuft bis September 2028.
Ebenfalls wiedergewählt wurden die bisherigen Vizepräsidenten Thomas Karmasin, Götz Ulrich und Sven Ambrosy. Neu in das Präsidium gewählt wurde Patrik Lauer, Landrat des Landkreises Saarlouis.
Brötel wertete seine Wiederwahl als Auftrag, die Interessen der Landkreise auch künftig mit Nachdruck in Berlin zu vertreten. Im Mittelpunkt seiner kommenden Amtszeit stehen die Stabilisierung der Kommunalfinanzen, die Weiterentwicklung des Sozialstaates, die Gesundheitsversorgung, die Digitalisierung sowie die Stärkung ländlicher Räume.

Starke Kommunen als Fundament eines handlungsfähigen Staates
Die Landkreisversammlung 2026 macht deutlich: Die Herausforderungen für die kommunale Ebene sind groß. Gleichzeitig unterstreichen die Landkreise ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und Reformen aktiv mitzugestalten. Mit dem Berliner Appell senden sie ein klares Signal an Bund und Länder: Wer Heimat gestalten und Zukunft sichern will, muss die Kommunen finanziell stärken, Bürokratie abbauen und den Sozialstaat langfristig tragfähig aufstellen.