Landkreistagspräsident Bernreiter: Pflegebedürftige brauchen neutrale Beratung und passgenaue Hilfe

04.07.2018: Fachtag "Demografische Herausforderung – Pflege im ländlichen Raum"

Der in einigen Regionen schon heute bestehende Pflegenotstand wird in den Reihen der bayerischen Kommunalpolitik längst intensiv diskutiert und beraten. Um alle Akteure beim Aufbau neutraler Beratungsstrukturen an einen Tisch zu bringen, haben der Bayerische Landkreistag und die Landesarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege in Bayern am 4. Juli 2018 einen Fachtag in Nürnberg veranstaltet. „Der Bund, das Land, die Landkreise, die Bezirke, die Gemeinden und unsere ganze Gesellschaft müssen sich mit der „Pflege“ auseinandersetzen. Durch den demografischen Wandel werden sich die Pflegefälle in den nächsten Jahrzehnten vervielfachen. Das wird auch im ländlichen Raum eine Mammutaufgabe. Es geht um Personalmangel und bessere Arbeitsbedingungen für diejenigen, die in diesem äußerst sensiblen und schwierigen Gebiet arbeiten. Vor allem aber geht es um die bestmögliche Versorgung und Betreuung für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Voraussetzung hierfür sind neutrale Beratungsstellen und grundsätzlich eine gute Beratungsstruktur“, so Bernreiter im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit der Bayerischen Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml, MdL, dem Patienten- und Pflegebeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Hermann Imhof, MdL, Univ.-Prof. Andreas Kruse von der Universität Heidelberg, dem Präsidenten der Diakonie Bayern und Sprecher der Freien Wohlfahrtspflege, Landesarbeitsgemeinschaft Bayern, Michael Bammessel, dem Oberbürgermeister Stadt Coburg, Norbert Tessmer, Sigrid König, Vorständin des BKK Landesverbands Bayern und Dr. Ottilie Randzio, Medizinischer Dienst der Krankenversicherung Bayern. 

Durch den demografischen Wandel gibt es immer mehr Pflegebedürftige. Erfahrungsgemäß wollen die Menschen so lange wie möglich daheim bleiben. Das setzt voraus, dass die Betreuung gewährleistet werden kann. „Mit den heutigen Familien- und Arbeitsstrukturen wird das immer schwieriger, auch wenn in Bayern heute noch viele Angehörige diese Aufgabe schultern“, so Bernreiter. Neben der stationären Pflege, der Tagespflege, ambulanten Pflegediensten, ehrenamtlichen Vereinen und vielem mehr, kann diese Lücke geschlossen werden. Der Pflegefall trifft die Betroffenen aber oft unvorbereitet. Die bestmögliche Unterstützung in dieser Situation ist aus Sicht des Bayerischen Landkreistags eine wettbewerbsneutrale Beratung.
"
Bei der Pflege muss die Beratung passen. Zwar sind die Kommunen an den Bürgern am nächsten dran, das Land und alle im System aktiven Akteure sind bei dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe aber mitgefordert. Heute geht es im Zusammenwirken von freier und öffentlicher Wohlfahrtspflege darum, gemeinsam Überlegungen zur Weiterentwicklung der vorhandenen Beratungs- und Unterstützungslandschaft anzustellen und die demografische Herausforderung Pflege im ländlichen Raum anzugehen. Gemeinsames Anliegen muss es mit Blick auf den Pflegenotstand sein, über Planung und Beratung das Marktgeschehen vor Ort so zu beeinflussen, dass sich bedarfsgerechte Versorgungsstrukturen entwickeln. Dies gelingt vor allem durch trägerneutrale Beratungsstrukturen. Dabei geht es nicht um flächendeckend einheitliche Modelle, sondern eine passgenaue Hilfe für Pflegebedürftige“, so der Präsident des Bayerischen Landkreistags. 

Bernreiter spielt damit auf die unterschiedlichen Modelle in den Landkreisen an. Es gibt Regionen, in denen die bisherige Struktur aus seniorenpolitischem Gesamtkonzept und Angehörigenfachberatungsstelle ausreichen. Manche Landkreise und kreisfreien Städte haben dagegen den dringenden Wunsch, die zahlreichen Beratungsangebote unter dem Dach eines Pflegestützpunktes zusammenzuführen, um für eine Erstberatung einheitliche Ansprechpartner und Rufnummern zu haben. Und schließlich gibt es Landkreise und kreisfreie Städte, die auch mit dem Gedanken spielen, das Geschäft der Pflegeberatung ganz alleine in die Hand zunehmen. Unabhängig von der konkreten Ausgestaltung der Beratung vor Ort, ist eine enge Kooperation von Kassen, Land, Bezirken und Landkreisen unabdingbar. 

Die Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Melanie Huml, MdL, hat im Rahmen des Fachtages angekündigt, dass die Staatsregierung ihre Ressourcen und Anstrengungen in Bayern auf den Aus- und Aufbau von Pflegestützpunkten fokussieren wird. „Wir wollen den Kommunen unter anderem ein befristetes Initiativrecht einräumen, sogenannte Pflegestützpunkte mit den Pflege- und Krankenkassen zu errichten. Dort finden Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sowie alle Interessierten Information und Beratung aus einer Hand rund um das Thema Pflege und wohnortnahe Angebote. Damit die Stützpunkte möglichst flächendeckend geschaffen werden, werde ich mich für ein flankierendes Förderprogramm einsetzen.“ 

Auch vom Patienten- und Pflegebeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Hermann Imhof, MdL, bekamen die kommunalen Verantwortungsträger Rückendeckung: „Die Kommunen können es am besten, wenn sie die entsprechende Unterstützung bekommen.“ 

Die anwesenden Landrätinnen und Landräte waren sich einig, dass jeder einzelne selbst prüfen müsste, ob die gesamte Bandbreite der Beratung im Landkreis funktioniere und damit eine neutrale Beratung aus einer Hand funktioniert. Gemeinsam mit dem Land wäre aber auch der weitere Ausbau der Pflegestützpunkte vorstellbar. 


Bildunterschrift (von links nach rechts): Andreas Kruse, Univ.-Prof. Dr. phil. Dr. h. c. Dipl. Psych., Universität Heidelberg, Josef Mederer, Präsident Bayerischer Bezirketag, Landrat Thomas Eichinger (Landsberg a. L.), Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege in Bayern, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Melanie Huml, MdL, der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Hermann Imhof, MdL, Sigrid König, Vorständin, BKK Landesverband Bayern, Michael Bammessel, Präsident Diakonie Bayern, Sprecher der Freien Wohlfahrtspflege, Landesarbeitsgemeinschaft Bayern, Dr. Ottilie Randzio, Medizinischer Dienst der Krankenversicherung Bayern, Landrat Christian Bernreiter (Deggendorf), Präsident des Bayerischen Landkreistags