Medizinische Versorgung im ländlichen Raum sichern – Landkreistag setzt sich für Erhalt der Kreiskliniken ein!

30.06.2022: Der Gesundheitsausschuss des Bayerischen Landkreistags erörterte in seiner gestrigen Sitzung die wirtschaftliche Situation der Kreiskliniken in Bayern. Er sprach sich dabei mit Nachdruck für den Erhalt kleiner Klinikstandorte im ländlichen Raum aus. Der Bund muss über eine deutliche Verbesserung der Einnahmen der Häuser einen wesentlich höheren Beitrag zum Erhalt dieser Häuser leisten.

Der Gesundheitsausschuss des Bayerischen Landkreistags erörterte in seiner gestrigen Sitzung die wirtschaftliche Situation der Kreiskliniken in Bayern. Er sprach sich dabei mit Nachdruck für den Erhalt kleiner Klinikstandorte im ländlichen Raum aus. Der Bund muss über eine deutliche Verbesserung der Einnahmen der Häuser einen wesentlich höheren Beitrag zum Erhalt dieser Häuser leisten. Der Ausschussvorsitzende, Landrat Thomas Eichinger, Landsberg am Lech, forderte: „Eine auskömmliche Finanzierung der Vorhaltekosten steht dabei besonders im Mittelpunkt. Mit den Erlösen für einfachere Operationen wie beim Blinddarm oder einem Beinbruch oder Leistungen der inneren Medizin wie der Behandlung von leichten Schlaganfällen kann die Vorhaltung etwa der Notaufnahme oder des Betriebs der Operationssäle rund um die Uhr nicht finanziert werden. Nach dem Koalitionsvertrag auf Bundesebene sollen diese Vorhaltekosten zukünftig anders finanziert werden. Das muss aber jetzt schnell kommen und sachgerecht ausgestaltet sein. Sonst laufen die Defizite aus dem Ruder und gefährden die Existenz der Häuser!“

Nach Auffassung von Landrat Eichinger wird es aber trotz solcher Verbesserungen auch zukünftig nicht gelingen, jeden Krankenhausstandort zu erhalten: „Eine Überversorgung mit Krankenhäusern haben wir vor allem in Ballungsregionen. Dort muss eine Krankenhausstrukturreform zuerst ansetzen, nicht aber im ländlichen Raum, sonst werden die Wege dort noch weiter. Sofern eine Klinik im Einzelfall mit dem medizinischen Fortschritt nicht mehr mithalten kann, müssen alternative Wege für eine medizinische Versorgung bestehen. Hier ist der Gesetzgeber dringend aufgefordert, endlich praxistaugliche gesetzliche Grundlagen zu schaffen, damit ambulante ärztliche Strukturen wie Ärztehäuser oder Medizinische Versorgungszentren mit Kurzzeit- und Langzeitpflegekapazitäten verbunden und finanziert werden können.“ Die Mitglieder des Gesundheitsausschusses fordern daher eine klare Aufgabendefinition für intersektorale Gesundheitszentren oder Pflegekompetenzzentren und eine nachvollziehbare Abgrenzung von der akutstationären Grund- und Regelversorgung. Nur wenn solche Nachnutzungen erfolgreich umgesetzt werden können, besteht die Hoffnung, dass sowohl die niedergelassenen Ärzte und die Apotheker wie auch die Pflegeschulen an den Standorten verbleiben. Landrat Eichinger bringt es auf folgenden Punkt: „Stirbt ein Krankenhaus ohne sinnvolle Nachnutzung, droht auch ein weiterer Teil der medizinischen Versorgung abzuwandern. Die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse ist nicht mehr gegeben.“

Eine Absage erteilte der Gesundheitsausschuss allerdings pauschalen Aufrufen zur Rettung jedes einzelnen Krankenhausstandorts. Landrat Eichinger: „Wir verschließen uns einer sinnvollen und zielgerichteten Weiterentwicklung der Krankenhauslandschaft nicht, wenn tragfähige Alternativen für die Patienten bestehen. Neben einer auskömmlichen Betriebskostenfinanzierung gehört dazu aber vor allem auch eine weiterhin hohe Investitionskostenförderung gemeinsam mit dem Freistaat und eine Weiterentwicklung der Krankenhausplanung, damit die Erreichbarkeit der Häuser mit Blick in die Zukunft gesichert werden kann.“