Landkreistagspräsident Bernreiter: Klimawende im Einklang mit wirtschaftlichen Lebensgrundlagen - Neues Positionspapier des Deutschen Landkreistags

11.02.2020: Kaum ein anderes Thema bewegt die Gemüter derzeit so wie der Klimaschutz. Hierzu wurde heute vom Deutschen Landkreistag ein Positionspapier veröffentlicht.

Kaum ein anderes Thema bewegt die Gemüter derzeit so wie der Klimaschutz. Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sind in Aufruhr. Auch in den bayerischen Landkreisen findet eine noch intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema statt, wenngleich bereits in der Vergangenheit vielfältige Maßnahmen auf den Weg gebracht und umgesetzt wurden. Klimaschutzkonzepte, Nutzung von Elektromobilität bei den Verwaltungsflotten, energetische Vorgaben bei Bauvorhaben, Bildungsarbeit und viele Einzelmaßnahmen, wie die Aufforstung von Waldgrundstücken, sind fester Bestandteil nachhaltiger Kreispolitik. Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Landkreistags, der die Interessen von 294 Landkreisen vertritt, gibt es in 77 % der Landkreise bereits eine ausformulierte Strategie für den Klimaschutz oder für die Nutzung von erneuerbaren Energien. Weitere 14 % der Landkreise beschäftigen sich mit der Aufstellung einer solchen Strategie. In knapp drei Vierteln der Kreisverwaltungen gibt es zudem eine Einheit, die sich schwerpunktmäßig mit dem Klimaschutz beschäftigt.
Umso wichtiger ist es, dass die bundes- und europapolitischen Akteure der Klimawende bei ihren Beschlüssen die Praktiker vor Ort nicht vergessen. 

Anlässlich eines heute veröffentlichten Papiers des Deutschen Landkreistags zum Thema mahnt dessen Präsident, Landrat Reinhard Sager: „Die Klimawende kann nur mit den ländlichen Räumen gelingen, ohne sie steht das Generationenprojekt auf tönernen Füßen. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt in Landkreisen. Diese Menschen tragen einen Großteil der Lasten zur Erreichung der nationalen Klimaschutzziele. Auf dem Land befinden sich die meisten Anlagen für Windkraft, Bioenergie und Solarstrom. Daher brauchen die ländlichen Räume einen Ausgleich mit dem Ziel einer gerechten Lastenverteilung. Das heißt vor allem, die Investitionen z. B. im Bereich der digitalen Infrastruktur, der medizinischen Versorgung, beim Verkehr oder im Hinblick auf die Dezentralisierung von Bundes- und Landesbehörden hochzufahren. Nur so kann eine Energie- und Klimapolitik gelingen, die von der Bevölkerung überall im Lande akzeptiert und unterstützt wird.“

Das bekräftigt auch der Präsident des Bayerischen Landkreistags, Landrat Christian Bernreiter, der als eines von fünf Mitgliedern federführend an der Erarbeitung des Positionspapiers auf Bundesebene mitgewirkt und so die Positionen des Bayerischen Landkreistags eingebracht hat: „Voraussetzung für das Gelingen der Klimawende ist die Akzeptanz vor Ort. Die nationalen Klimaschutzziele oder auch der europäische Grüne Deal mögen sich gut lesen lassen und sind zweifelsohne gut für unseren Planeten. Für die Umsetzung brauchen wir aber unsere Bevölkerung. Deswegen darf niemand überfordert und einseitig benachteiligt werden. Klimawende und Erhalt unserer wirtschaftlichen Lebensgrundlagen müssen in Einklang stehen. Wenn ich an unsere Millionen von Pendlern denke, darf es nicht sein, dass ausgerechnet sie, die täglich weite Wege und Kosten für die Arbeit in Kauf nehmen, benachteiligt werden. Hinter historisch niedrigen Arbeitslosenquoten stehen unsere Bürger und das, was sie für diese Beschäftigung teilweise auf sich nehmen. Wir müssen gemeinsam hinschauen, was wir im ländlichen Raum und in den Ballungsgebieten tun können und müssen.“

Das Papier „Klimaschutz und erneuerbare Energien in den Landkreisen“, das am 7./8. Januar 2020 in der Sitzung des Präsidiums des Deutschen Landkreistags im Landkreis Fürstenfeldbruck verabschiedet wurde, ist dieser Pressemitteilung angehängt und abrufbar unter www.landkreistag.de.