Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr des Bayerischen Landkreistags in Weißenburg-Gunzenhausen; Digitale Potenziale im ländlichen Raum müssen wachsen; Freistaat muss Mittel für ÖPNV erhöhen

22.06.2017: Um die Themen und Werte, aber auch die Quantensprünge des ländlichen Raumes selbst in den Blick zu nehmen, tagt der Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr des Bayer. Landkreistags regelmäßig in unterschiedlichen Landkreisen. Iin ihrer jüngsten Sitzung in Weißenburg-Gunzenhausen hatten die Landräte die Möglichkeit im „kunststoffcampus bayern – Technologie- und Studienzentrum Weißenburg“

Um die Themen und Werte, aber auch die Quantensprünge des ländlichen Raumes selbst in den Blick zu nehmen, tagt der Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr des Bayerischen Landkreistags regelmäßig in unterschiedlichen Landkreisen. Im Rahmen ihrer jüngsten Sitzung in Weißenburg-Gunzenhausen hatten die Landräte die Möglichkeit im „kunststoffcampus bayern – Technologie- und Studienzentrum Weißenburg“ zu tagen. Dort werden seit 2015 in Bayern einmalige Kompetenzen im Bereich Kunststoffe gebündelt und so Ressourcen für und mit der Industrie geschaffen. Um die Erschließung von weiteren Potenzialen für die bayerischen Landkreise ging es dann auch beim Dauerbrenner „Digitalisierung“. 

Die Digitalisierung und die Automatisierung durchdringen längst alle Bereiche des menschlichen Daseins. In der täglichen Lebenswirklichkeit der bayerischen Landkreise geht es heute deswegen mehr denn je darum, mit der rasanten digitalen Entwicklung Schritt zu halten. Das bedeutet, dass sich bei der Versorgung mit Breitband, aber auch beim Ausbau der Mobilfunknetze dringend etwas tun muss. 

Nicht nur die Bürger in den bayerischen Landkreisen oder jene, die dort hinziehen, erwarten eine Breitbandversorgung auf dem Niveau der Großstädte, sondern vor allem die Unternehmer. Von deren Bereitschaft, sich zu den Landkreisen als Standorte zu bekennen, hängt es am Ende ab, ob es im ländlichen Raum überhaupt die Arbeitsplätze gibt, damit die Bürger dort wohnen können. 

Ob in der Industrie, in den Behörden oder in den privaten Haushalten der Bürger: Der Bandbreitenbedarf steigt täglich. „In allen bayerischen Landkreisen gibt es deswegen nur einen Weg: Glasfaser. Ein flächendeckendes Glasfasernetz ist die richtige Antwort auf die Herausforderungen in diesem Bereich. Der Bayerische Landkreistag fordert von Bund und Land deswegen, die Fördermittel zu erhöhen. Die derzeit bereit gestellten Gelder reichen für den flächendeckenden Ausbau nicht. Mit der Unterstützung unseres Ministerpräsidenten, der Bayern zum „Gigabit-Bundesland“ machen will, können wir den Weg zur flächendeckenden Glasfasertechnologie bewältigen. Aber es wird uns alle stark fordern“, so Landrat Franz Löffler, Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und Wirtschaft beim Bayerischen Landkreistag. 

Aber nicht nur Glasfaser treibt die Landräte um. Funklöcher und Verbindungsabbrüche – nicht nur auf Landstraßen und außerorts, sondern auch innerorts und auf Autobahnen – sind noch immer an der Tagesordnung. „Für mobiles Arbeiten oder autonomes Fahren reicht das, was wir heute haben, nicht. 5 Gigabit müssen die Regel werden“, so Landrat Franz Löffler. „Wenn wir von Entwicklungen wie dem autonomen Fahren nicht überrollt werden wollen, müssen wir jetzt selbst den Turbo einlegen“, ergänzte Isabell Jagel, die zuständige Verwaltungsdirektorin beim Bayerischen Landkreistag. 

Eine Verbündete haben die bayerischen Landräte in Prof. Dr. Diane Ahrens, der Leiterin des Technologiecampus Grafenau (eine Forschungseinrichtung der Technischen Hochschule Deggendorf), gefunden. Ahrens erforscht gemeinsam mit einem interdisziplinären Wissenschaftlerteam die Möglichkeiten eines digitalen Dorfes („eDorf“). Dieses kann Antworten auf die zunehmenden Herausforderungen im ländlichen Raum geben. Das digitale Dorf umfasst alle Lebensbereiche von Medizin, Pflege, Bildung, Mobilität bis zum Arbeitsplatz und vielem mehr. So genannte co-working-spaces wie sie es bereits in den USA gibt, könnten im Rahmen des eDorfes beispielsweise eine Möglichkeit sein, um die Abwanderung von Fachkräften zu verhindern und Ressourcen zu bündeln. In co-working-spaces teilen sich Arbeitnehmer verschiedener Unternehmen den Arbeitsplatz. Auch im Bereich der Mobilität kann die Digitalisierung vieles leisten. So könne beispielsweise der ÖPNV durch intelligente, integrierte Zusatzangebote ergänzt werden. 

„In einem ersten Schritt wäre es aber auch wichtig, den ÖPNV im ländlichen Raum mit den erforderlichen Mitteln auszustatten. In den Schienenverkehr wird viel Geld gesteckt. Der ÖPNV in den Landkreisen muss auf dem letzten Wagen hinterherzuckeln. Staatsminister Joachim Herrmann hat uns versprochen, sich für eine bessere Finanzausstattung der ÖPNV-Zuweisungen in den kommenden Jahren einzusetzen. Wir werden den ÖPNV auch zum Gegenstand der Verhandlungen zum Finanzausgleich 2018 machen“, so Landrat Franz Löffler. 

Bildunterschrift (von links nach rechts): Landrat Karl Roth (Starnberg), Landrat Anton Knapp (Eichstätt), Landrat Heinrich Trapp (Dingolfing-Landau), Prof. Dr. Diane Ahrens, Landrat Gerhard Wägemann (Weißenburg-Gunzenhausen), Landrat Franz Löffler (Cham), Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Verkehr beim Bayerischen Landkreistag, Isabell Jagel, Verwaltungsdirektorin beim Bayerischen Landkreistag, Landrat Eberhard Nuß (Würzburg), Landrat Alexander Tritthart (Erlangen-Höchstadt), Landrat Josef Laumer (Straubing-Bogen).