Landkreisversammlung 2019 des Bayerischen Landkreistags im Landkreis Würzburg

09.05.2019: Die diesjährige Landkreisversammlung des Bayerischen Landkreistags fand am 8. und 9. Mai in den Mainfrankensälen in Veitshöchheim statt. Im Mittelpunkt standen Strategien zur Deckung des steigenden Fachkräftebedarfs in vielen Bereichen.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Landkreisversammlung des Bayerischen Landkreistags im Landkreis Würzburg stand das Thema Fachkräftesicherung. „Die Höchstwerte bei den kommunalen Steuereinnahmen verdanken wir in erster Linie den Spitzenleistungen der bayerischen Wirtschaft. Dadurch können unsere vielen Aufgaben und das gute Lebensniveau in unserem Land überhaupt erst finanziert und gehalten werden. Unsere Wirtschaft muss sich auf überzeugende Rahmenbedingungen verlassen können. Die Versorgung mit Breitband, Mobilfunk, Gesundheits- und anderen Dienstleistungen, aber eben auch die Verfügbarkeit von Fachkräften entscheidet über die Gleichwertigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Regionen. Voraussetzung für die wirtschaftlichen Wachstumsschübe der zurückliegenden Jahre waren überzeugende Standortbedingungen. Das muss auch in Zukunft so bleiben“, so der Präsident des Bayerischen Landkreistags, Landrat Christian Bernreiter, in seiner Eröffnungsrede. 

Die Vielschichtigkeit der Herausforderung spiegelte sich auch in den Rednerinnen und Rednern der Tagung wider. Der Bayerische Staatsminister der Finanzen und für Heimat, Albert Füracker, MdL, versprach den bayerischen Landkreisen auch Rückendeckung bei der Zusammenarbeit mit übergeordneten Ebenen: „Bei der EU setzen wir uns intensiv für eine flächendeckende Glasfaserförderung in Bayern ein.“ 

Christian Hirte, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Beauftragter der Bundesregierung für den Mittelstand, zeigte, was die Bundesregierung tut, um dem Fachkräftemangel zu begegnen und mahnte, sich nicht zu sehr auf die Fachkräftezuwanderung zu verlassen. Auch bei den europäischen Nachbarn wäre die wirtschaftliche Lage mittlerweile so, dass sie sich gegen ein Abwerben der eigenen Leute stellen würden. 

Thomas Leubner, Leiter Aus- und Weiterbildung, Siemens AG, gab Einblicke in die immensen Anstrengungen, die ein Weltkonzern wie der seine in die Gewinnung junger Köpfe steckt. „Fachkräftesicherung ist zuallererst die Verantwortung der Unternehmen“, so Leubner. Siemens würde unter anderem jedes Jahr 500 Mio. Euro weltweit in die Aus- und Weiterbildung investieren. Zudem gäbe es einen zusätzlichen Fonds mit 100. Mio für die nächsten vier Jahre für die Umschulung von Mitarbeitern, die von strukturellen Änderungen betroffen wären. 

Valerie Holsboer, Vorstand Ressourcen, Bundesagentur für Arbeit, begeisterte die Zuhörerinnen und Zuhörer nicht nur mit Fakten, sondern auch mit persönlichen Erlebnissen aus dem Alltag der Bundesagentur für Arbeit. So habe sie bei der Übernahme ihrer Aufgabe 2017 eine Zahl besonders geschockt: rd. 50.000 Jugendliche, die jedes Jahr ihre Ausbildung abbrechen. Darüber hinaus warb sie für die Bedeutung familienzentrierter Ansätze bei den Werdegängen von Kindern. Mit Blick auf die vielen Politiker im Publikum forderte sie zudem weitere Anstrengungen beim Bürokratieabbau. Dieser sei ein immenses Hindernis bei den verschiedenen Wegen, Menschen in Arbeit bringen zu können. Sie schließe sich deswegen der Forderung des Bayerischen Landkreistags an. Auch für ihre eigenen Mitarbeiter schlug sie eine Lanze. Der Arbeitsalltag in den Jobcentern erfordere heutzutage persönlich viel. 

Auch der Bayerische Staatsminister des Innern, für Sport und Integration, Joachim Herrmann, MdL, schwor die Landrätinnen und Landräte beim Festabend darauf ein, dass die Herausforderungen der Zukunft nur im guten Miteinander aller Beteiligten bewältigt werden können. Das sei auch in der Vergangenheit eine der großen Stärken des Freistaates gewesen. 

Am 2. Tag der Landkreisversammlung zeigte der Präsident des Bayerischen Bezirketags Landrat Franz Löffler welche Strategien im Landkreis Cham erfolgreich waren und sind, um Fachkräfte zu halten und zu gewinnen. „Innovation muss ein Gradmesser für den ländlichen Raum sein, deshalb ist es wichtig, vielfältige Qualifikationen in der Region anzubieten, um die Fachkräfte von morgen in der Region zu sichern. Der kommunale Einsatz bei der Fachkräftegewinnung lohnt sich – es muss nicht jeder Landkreis dasselbe tun, aber er muss für seine Region das Richtige tun“, so Löffler. 

Uwe Ritzer, Wirtschaftsredakteur bei der Süddeutschen Zeitung, arbeitete mit dem Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, MdL Roland Weigert, der Vorsitzenden des Bayerischen Landespflege-rats, Generaloberin Edith Dürr, dem Präsidenten des Bayerischen Handwerkskammertags, Franz Xaver Peteranderl, dem Präsidenten des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags, Dr. Eberhard Sasse, und Landrat Franz Löffler heraus, wo in den verschiedenen Branchen beim Fachkräftemangel das Problem ist. Einig waren sich alle Beteiligten, dass die Pflege zur Priorität Nummer 1 gemacht werden muss, weil es jede Familie betrifft und dass die Digitalisierung in allen Berufssparten neue Rahmenbedingungen erfordern wird. 

MdB Stephan Mayer, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, konnte tagesaktuell über die jüngsten Entwicklungen zum Fachkräftezuwanderungsgesetz berichten. Er war kurzfristig für den Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat Horst Seehofer eingesprungen, der bei der 1. Lesung des Gesetzes im Bundestag gebraucht wurde. 

Nicht nur die Inhalte der Tagung haben die rd. 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft überzeugt, sondern vor allem auch Gastgeberqualitäten von Landrat Eberhard Nuß. Dieser hat gezeigt, was fränkische Herzlichkeit bedeutet!