Handwerk 4.0 – Gigabit bis 2025 reicht nicht – Landkreistagspräsident fordert Unterstützung der Staatsregierung für „Digitale Kompetenzzentren in allen Regionen“

30.04.2018: Die Digitalisierung ist längst auf der Topagenda der bayerischen Landkreise angekommen. Flächendeckende Breitbandnetze auf Glasfaserbasis bis 2025 und die durchgängige digitale Verwaltung, also Online-Behördenleistungen, ohne dafür persönlich ins Amt zu müssen, sind langjährige Grundsatzforderungen des Bayerischen Landkreistags.

Die Digitalisierung ist längst auf der Topagenda der bayerischen Landkreise angekommen. Flächendeckende Breitbandnetze auf Glasfaserbasis bis 2025 und die durchgängige digitale Verwaltung, also Online-Behördenleistungen, ohne dafür persönlich ins Amt zu müssen, sind langjährige Grundsatzforderungen des Bayerischen Landkreistags. Dem Präsidenten des Bayerischen Landkreistags, Landrat Christian Bernreiter, geht das aber nicht weit genug. „Wir werden die Glaubwürdigkeit des Freistaates und des Bundes zwar auch daran messen, ob unsere Forderungen endlich und tatsächlich umgesetzt werden. Aber wir müssen auch in einem anderen Bereich anpacken. Mit Geld allein ist es nicht getan. Die Digitalisierung ist eines der Schlüsselelemente für gleichwertige Lebensverhältnisse im ganzen Land – unabhängig davon, wo man wohnt. Branchen- und ressortübergreifend müssen wir eine gemeinsame Strategie entwickeln, die jeder Betrieb „4.0“ nutzen kann“, so Bernreiter. 

Um bei der Digitalisierung aufzuholen, bräuchte man ein starkes politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Netzwerk. Finanzielle Förderung sei wichtig, aber nicht alles.  Die Politik müsse Multiplikator, Förderer und Berater sein. Der Mittelstand sei das Herzstück der bayerischen Wirtschaft. Für viele Betriebe sei die Digitalisierung eine enorme Herausforderung. „Digitalisierung ist ein schier unermessliches Feld. Um hier richtig durchzusteigen, braucht man einen Plan. Wir müssen unsere Kleinstbetriebe und den Mittelstand darin bestärken, auf die vorhandenen digitalen Herausforderungen mit eigenen Lösungen zu reagieren. Wir müssen unsere Unternehmen vor Ort sensibilisieren und beraten. Förderprogramme wie beispielsweise der „Digitalbonus Bayern“ sind nicht jedem bekannt. Wir sind gefordert, Ängste vor der raschen Veränderung ernst zu nehmen. Wir müssen die Menschen mitnehmen!“, so der Präsident des Bayerischen Landkreistags. 

Erste Ansätze hierzu finden sich im „Kompetenzzentrum Digitales Handwerk (KDH)“ in Bayreuth, das Bernreiter jetzt mit seinem Kollegen, Landrat Hermann Hübner, besichtigt hat. Thomas Koller, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken, machte die Brisanz des Themas deutlich: „Drei von zehn Betrieben sehen Probleme bei der Bewältigung der Digitalisierung. Jeder vierte Betrieb begreift den Wandel sogar als Gefahr. Mit dem Kompetenzzentrum Digitales Handwerk (KDH) können wir den Betrieben zeigen, welche Möglichkeiten sie haben, um das Beste aus der Digitalisierung zu machen.“ 

Das KDH ist Teil der Förderinitiative „Mittelstand 4.0 – Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse“, die im Rahmen des Förderschwerpunkts „Mittelstand-Digital – Strategien zur Digitalen Transformation der Unternehmensprozesse“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird. Insgesamt fünf Schaufenster wurden im ganzen Bundesgebiet eingerichtet. Bayreuth ist das sogenannte Schaufenster Süd mit den Schwerpunkten Produktion und Automatisierungstechnologien. Daneben gibt es noch das Schaufenster Nord in Oldenburg (Informations- und Kommunikationstechnik), das Schaufenster Ost in Dresden (Digitale Geschäftsmodelle), das Schaufenster West in Koblenz (Digitale Prozesse) und das Schaufenster „Digitales Bauen“ in Krefeld und Feuchtwangen. Koller und seinem Team geht es um den praktischen Mehrwert der Betriebe. „Ob digitale Datenerfassung statt Zettelwirtschaft in einer Malerwerkstatt oder die Einführung eines hoch entwickelten Warenwirtschaftssystems in einer Traditionsbrauerei, wir wollen unsere Betriebe ins digitale Zeitalter mitnehmen“, so der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken. 

Problematisch ist allerdings nicht nur, dass das Projekt vorerst nur bis Ende 2018 läuft. Darüber hinaus decken 2,5 Kräfte den gesamten Süden Deutschlands ab. Für Landkreistagspräsident Christian Bernreiter ist deswegen der Weg klar: „Wir brauchen in allen Regionen Bayerns solche Kompetenzzentren, wenn wir die Digitalisierung bewältigen wollen und Bayern Spitze bleiben soll. Mit den BayernLabs entstehen derzeit 13 Zentren im ländlichen Raum für die digitale Wissensvermittlung. Daneben müssen aber der Mittelstand und das Handwerk stärker in den Fokus genommen werden, damit die Digitalisierung in allen Bereichen gelingt.“ 

Bildunterschrift:
(Von links): Landrat Hermann Hübner, Landkreistagspräsident Landrat Christian Bernreiter, Cornelia Bachstein (Digitales Kompetenzzentrum Schaufenster Süd), Thomas Koller, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken