Bayerns Landkreise wollen Knotenpunkte der Gesundheitsversorgung werden

04.05.2015: Landräte tagen zum Thema "Älterwerden im ländlichen Raum" und beschließen Forderungen an Freistaat, Bund und Verbände

Eine Gesundheits- und Pflegeversorgung, welche die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen in der Stadt und auf dem Land mit Leben erfüllt: Über dieses Ziel beraten die bayerischen Landräte in den kommenden zwei Tagen bei der Landkreisversammlung des Bayerischen Landkreistags in Bayerisch Eisenstein (Landkreis Regen). Die Tagung steht unter dem Motto "Älterwerden im ländlichen Raum: Anforderungen an Medizin und Pflege".

"Die Landkreise wollen und können als Knotenpunkte viel zu einer besseren medizinischen und pflegerischen Versorgung beitragen", erklärt der Präsident des Bayerischen Landkreistags, der Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter, vorab in München. Die Kreise müssen, so Bernreiter, angesichts des demografischen Wandels dringend handeln: "Gute Gesundheitsversorgung ist ein Standortfaktor, auf den wir nicht verzichten können. Unsere Bürgerinnen und Bürger wollen in ihrer Heimat gesund werden, wenn sie krank sind, und sie wollen in ihrer Heimat alt werden." Voraussetzung für Verbesserungen sei die Unterstützung der Bundes- und Landespolitik, der Kranken- und Pflegekassen und der übrigen Verbände im Gesundheitssystem.

Die bayerischen Landräte stecken bei der Landkreisversammlung ihre Positionen und Forderungen zu einer zukunftsfähigen medizinischen und pflegerischen Versorgung auf dem Land ab. Insbesondere folgende Forderungen stehen auf der Tagesordnung:

  • Angesichts des steigenden Bedarfs braucht es einen breiten Angebotsmix an medizinischer und pflegerischer Unterstützung, der über flächendeckende regionale Gesundheits- und Pflegekonferenzen auf Landkreisebene entwickelt werden sollte. 
  • Der Medizinische Dienst der Kranken- und Pflegeversicherungen muss auf eine neutrale Prüfinstitution überführt werden.

Im medizinischen Bereich beraten die Landräte insbesondere über folgende Forderungen:

  • Bund und Freistaat müssen dabei helfen, Kreiskrankenhäuser, die mit dem medizinischen Fortschritt nicht mehr mithalten können, zu stationär gestützten regionalen Gesundheits- und Pflegezentren weiterzuentwickeln.
  • Die Krankenhausinvestitionsförderung muss mittelfristig ausgebaut und verfahrensmäßig vereinfacht werden.
  • Bei der Zulassung von Haus- und Fachärzten müssen die Kommunen ein Mitspracherecht erhalten.
  • Die Notfallambulanzen an Krankenhäusern und die gemeinsame Errichtung von Bereitschaftsdienstpraxen an Krankenhäusern mit niedergelassenen Ärzten müssen mit einer besseren Finanzierung gestärkt werden.

Im pflegerischen Bereich geht es um folgende Forderungen:

  • Die Zuständigkeiten für die Pflegeberatung müssen bei den Kommunen gebündelt werden. So wird neutrale und trägerunabhängige Beratung gewährleistet.
  • Für die Verbindlichkeit der Pflegebedarfsplanung braucht es finanzielle Anreize, aber auch Sanktionsmöglichkeiten.
  • Mit weiteren Initiativen für seniorengerechten und bezahlbaren Wohnraum sowie flächendeckender Beratung zur Wohnungsanpassung muss der Anspruch "Ambulant vor stationär" realisiert werden.
  • Die ambulante und stationäre Hospiz- und Palliativversorgung im ländlichen Raum muss weiter ausgebaut werden – auch über einen Anspruch in der sozialen Pflegeversicherung.

Im öffentlichen Teil der Landkreisversammlung referieren Experten, etwa Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml, Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees Deutscher Katholiken, und Dr. Irene Vorholz, Beigeordnete des Deutschen Landkreistags, zu Fragen der Finanzierung, Planung und Zukunft der medizinischen und pflegerischen Versorgung im ländlichen Raum. Eine Podiumsdiskussion zum Thema beschließt das Tagungsprogramm, bevor Präsident Christian Bernreiter und Geschäftsführendes Präsidialmitglied Dr. Johann Keller am Mittwoch, 6. Mai, bei einer Pressekonferenz vor Ort in Bayerisch Eisenstein über die Ergebnisse der Landkreisversammlung informieren.